“Das Modelabel Yakuza”

Die Mode-Marke Yakuza macht Millionenumsätze, weil sie zum Outfit des Anti-Establishments geworden ist. Pegida-Demonstranten, Fußball-Ultras und Bodybuilder tragen die Kleidung. Aber auch Neonazis. Wollte Yakuza werden, was es ist? Die Firmenzentrale des Modeunternehmers Florian Schmidt versteckt sich an einem Ort, der nicht recht zu ihm passen will.
Er selbst sieht aus wie eines der Models aus den Katalogen seines Labels Yakuza-Premium: durchtrainiert, schlank, braun gebrannt. Ein Mann mit wahnsinnig guter Laune. Auf seinem Insta-Profil zeigt Schmidt sich gern an fernen Stränden, auf den Bildern sieht man dann das Tattoo auf seinem Oberkörper.

Gangster, tätowierte, harte Leute, danach sollten die Sachen aussehen!

Der Ort hingegen, an dem er arbeitet, ist ein unscheinbarer Flachbau auf einem ehemaligen LPG-Gelände im Dörfchen Schwarzadler bei Bautzen.
Aufgeplatzte Betonplatten, stillgelegte Silo-Anlagen, in die Jahre gekommene Hallen. Nur die dunklen, edlen Limousinen vor der Tür wirken wie aus einer anderen Welt.
Die Geschäfte von Yakuza-Premium laufen ganz offenbar gut. Etwa 150.000 Kleidungsstücke verkauft der 35 Jahre alte Schmidt mit seinem Unternehmen nach eigener Auskunft von Ostsachsen aus – pro Jahr. Sweatshirts, Pullover und Hosen; Sachen, die immer provokant ausschauen sollen, vor allem aber auffallen durch: gewaltige Aufdrucke. Totenköpfe, Waffen oder ähnlich martialische Prints.

Markenkleidung, die benannt ist nach der japanischen Mafia Yakuza – und die rund vier Millionen Euro Umsatz jährlich einbringt. Ein Erfolg, der auch darauf beruht, dass Schmidt seine Kunden an vieles denken lässt. Nur nicht an die Tristesse eines LPG-Geländes in Schwarzadler.Nichts, aber auch gar nichts soll an die ostdeutsche Provinz erinnern, als Schmidt das Label vor 14 Jahren mit seinem damaligen Partner Markus Eisold gründet.
“Los Angeles, Kalifornien, Gangster, tätowierte, harte Leute, danach sollten die Sachen aussehen”, erzählt Schmidt. “Genau so etwas verkauft sich gut.”

Männer mit Muskeln und Frauen mit Brüsten!

Yakuza wirbt mit Models, die, falls sie Männer sind, riesige Muskeln haben. Oder die, falls sie Frauen sind, riesige Brüste haben.
Die Werbeaufnahmen im Katalog zeigen Männer, die noch mächtig und Frauen, die noch zu Diensten sein sollen. Die Marke hat sich ein Image aufgebaut, das auf Provokation angelegt ist. Und sie ist, nicht nur im Osten, inzwischen an vielen Orten zu sehen. Ob beim “Tag der Sachsen”, beim Kampfsport in der Boxhalle oder beim Tanz in der Dorfdiskothek.
Yakuza ist eine Art Kultmarke geworden, jedenfalls in bestimmten Kreisen. Man könnte auch sagen: eine Marke des Anti-Establishments. Sie wird, ob ihre Macher das wollen oder nicht, auf Pegida-Demos ebenso getragen wie auf den Stadionrängen der Fußball-Ultras. Wer Yakuza anzieht, drückt etwas aus.

Was ist das eigentlich?

Hinter dem Erfolg stecken zwei Lausitzer, die mit ihrer Idee klein anfingen, viel arbeiteten und viel Geld verdienten. Die sich dann aber zerstritten und den Kontakt zueinander abbrachen. Aus Yakuza wurden zwei verschiedene Unternehmen und Marken: Yakuza und Yakuza-Premium. Zu unterscheiden sind sie für Außenstehende, auch für viele Kunden, kaum. Anders als sein früherer Geschäftspartner Markus Eisold ist Florian Schmidt zu einem Treffen mit Reportern bereit. Er erzählt, wie er bei seiner Großmutter in Bautzen aufgewachsen ist. Dort, auf dem Dachboden, stellte er 2004 eine T-Shirt-Presse auf.

Sein Kumpel Eisold habe die Motive entworfen: eben die Totenköpfe, Waffen, derben Schriften im Stil der Tattoo-Szene. Zunächst läuft das als Nebenjob. Schmidt studiert da noch in Dresden, Eisold arbeitet zeitgleich als Tätowierer in Bautzen. Schmidt sagt, der Name Yakuza sei nur fürs Image gewählt worden. “Tiefgründiger waren wir da nie. Auf den Namen gab es keine Markenrechte. Deshalb war es für uns auch nie nötig, selbst nach Japan zu fliegen.” Stattdessen schauen sich die Jungunternehmer in Kalifornien um, in Los Angeles, an der Melrose Avenue. Dort inszenieren sie ihre Werbebilder. Für den Verkauf werden damals Klamottenläden zu Hause in Ostdeutschland abgeklappert, auch der Online-Handel springt an. Produziert werden die Textilien zu der Zeit in der Türkei.